1962–2012

Zwischenhalt im Ostseehafen Eckernförde

Kadetten auf der Schleifähre bei Misunde

Vor dem Zapfsäulenmuseum: „Da weiß man gar nicht wo man zuerst tanken soll.“ [Foto: Helmut Neubauer]

Zapfsäule von Georg von Opels Billigmarke „Volkskraftstoff“ (VK), mit der er ab 1955 die Autobesitzer mit aus der Sowjetzone beschafftem, bis zu 8 Pfennig billigerem Sprit aus dem „Würgegriff der Tankstellenkonzerne“ befreien wollte. [Foto: Arno Voegele]

Sven Averkamp und Firmenchef Florian Matz (rechts) im gut gefüllten Ersatzteillager

Warum ich das Kadett A-Treffen so mag?

Von Stefan Dierkes

Beinahe hätte ich die Teilnahme am 14. Kadett A-Treffen 2010 in Rendsburg absagen müssen (Darf ein Typreferent das?). Doch da mein Frua-Spider gerade einen neuen Unterboden bekommt und CarAVan „S“ und Uropas Schiebedach-Limousine schon seit vielen Jahren abgemeldet in der Scheune stehen, hatte ich schlicht keinen fahrbereiten Kadett. Doch so weit kam es nicht, dank der ersten Antwort auf die im Titel gestellte Frage.

1. Die Menschen

Die Kadett A-Community hält auch zwischen den Treffen freundschaftlichen Kontakt miteinander und so erfuhr Georg von meinem akuten Kadett-Mangel und bot ohne zu Zögern an, mir seine karibagrüne Limousine für die Fahrt nach Rendsburg zu leihen. Toll, das Treffen war für uns gerettet. Doch selbst ohne dieses Angebot: Ich wäre nicht der Erste, der ohne A-Kadett zum Treffen kommt, nur um dabei zu sein. In Rendsburg war z.B. erstmalig Kadett A Coupé-Besitzer Arno dabei – der mal eben „nur zum Gucken“ mit seinem Porsche 928 vorbeigerauscht kam. Er wurde herzlich aufgenommen, fuhr alle Ausfahrten mit und blieb bis zum Sonntag.

Vom Führerscheinneuling bis zum Rentner, vom Handwerker bis zum Unternehmer sind in unserem Kreis alle Schichten vertreten – und verstehen sich prächtig. Wir sind per Du und verzichten auf Status und Titel.

2. Die Autos

Dank Georgs großzügiger Leihgabe konnte ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder in einem Serien-A-Kadett fahren. Welch ein tolles Auto: übersichtlich, leichtgängig, praktisch und zuverlässig. Auch nach den heute üblichen langen Standzeiten fährt der Kadett A auf eigener Achse durch halb Europa. Viele A-Kadetten werden nur noch zum Treffen bewegt. „Ich mag den Kadett“ – so steht es auf den T-Shirts vieler Teilnehmer des Treffens. Und wenn wir dann alle gemeinsam in einer Kadett A-Karawane über die Landstraße fahren, dann hat man vor und hinter sich die Kadetten in allen bonbonbunten Serienfarben aufgereiht wie auf einer Perlenkette – ein herrlicher Anblick. Zwischendurch ruht dann mein Blick wohlwollend auf dem weißen Lenkrad, dem Farbwechsel des Walzentachometers und dem lackierten Armaturenbrett: eine liebenswerte „Zeitmaschine“. Die Menschen grüßen uns vom Straßenrand, denn so einen Anblick hat man selten und der Kadett A weckt positive Erinnerungen bei der Wirtschaftswundergeneration. Sein Kulleraugengesicht erzeugt Sympathien und keinerlei Neid wie manch anderer Oldtimer.

3. Das Wetter

An wiederholt verregneten Oldtimertreffen mag ich gar nicht mehr teilnehmen. Wir treffen uns jedes Jahr Mitte Juni, falls das Datum passt am Fronleichnams-Wochenende. Deshalb schien uns auch 2010 wieder die Sonne und die Stimmung war dem Wetter entsprechend bestens.

4. Die Landschaft

Es gibt ja Oldtimer-Treffen, die jedes Jahr am selben Ort stattfinden. Nach ein paar Jahren kennt man den Ort, den Veranstalter und das Programm. Das wird mir dann irgendwann langweilig und es entsteht das Gefühl, dass es schon mal besser war und das Schnitzel vergangenes Jahr besser geschmeckt hat. Das Kadett A-Treffen findet jedes Jahr an einem anderen landschaftlich reizvollen Ort statt: vom Lago Maggiore bis Friesland, von der Zugspitze bis Rendsburg: wir kommen mit unseren Kadetten viel herum.

Zugegeben: Schleswig Holstein war bisher nicht unser bevorzugtes Urlaubsziel. Meine Frau und ich fahren am liebsten in den Süden nach Italien und wenn ihr die Pässe zu steil werden, „drohe“ ich „wir fahren nach Husum“ – das hilft. Doch was uns die Organisatoren Dagmar und Helmut Neubauer gezeigt haben, hat unsere Vorurteile widerlegt: es war nicht kalt und windig, es war nicht nur flach sondern auch mal kurvig und hügelig – fast wie in den deutschen Mittelgebirgen, die Natur war saftig grün und die Gärten blühten in allen Farben. Und die Nord- und Ostsee mit Hallig, Watt, Dünen, reetgedeckten Häusern und den vielen Schiffen haben natürlich ihren eigenen Reiz.

5. Das Programm

Highlights des Kadett A-Treffens sind die beiden große Ausfahrten. Dieses Mal hatte ich sehr große Bedenken: Helmut ließ sich bei den Vorgesprächen nicht von zwei mal 180 Kilometern abbringen. Doch meine Befürchtungen waren unberechtigt: es war trotzdem sehr  entspannt, mit genügend Pausen und hochinteressanten Zwischenhalten. Neben den touristischen Stationen Hamburger Hallig, Grachtenfahrt in Friedrichsstadt, Frachter-bestaunen am Nord-Ostseekanal (laut Helmuts stets sachkundigen Erläuterungen die meistbefahrene Seefahrtstraße der Welt!), Segelschiffhafen in Flensburg, gemeinsame Fährfahrt über die Schlei und Fischereihafen in Eckernförde gab es auch zwei Attraktionen für alle mit Benzin im Blut.

Am Freitag besuchten wir das Zapfsäulenmuseum von Adolf Trede in Osterwittbekfeld, dessen Sammlung von etwa 150 toprestaurierten Tanksäulen mir erneute Gelegenheit gab, meiner Frau zu beweisen, dass die anderen noch viel verrückter sind als ich selbst.

Am Samstag stand dann der Besuch bei dem in 4. Generation geführten Alt-Opel-Teilelieferant Matz in Flensburg auf dem Programm. Andächtig wandelten wir unter kompetenter Führung von Florian Matz und Sven Averkamp durch die „heiligen Hallen“. Die gut gefüllten Regale reichten hoch hinauf bis unter die Decke und die Teilebestände für unseren Kadett A bis in die nächsten Generationen (PDF der 15-seitige Kadett A-Teileliste). Gekrönt wurde unser Besuch durch den anschließenden Sonderverkauf mit 20 % Rabatt – Herz was willst du mehr?

Danke, Helmut.

6. Der Preis

Das Nenngeld in Höhe von 50 Euro pro Fahrzeug gibt es beim Start zurück. Am Ende der drei Tage gibt jeder soviel wie er mag, um die Unkosten des Veranstalters zu decken. Dafür reichen schon 20 Euro pro Fahrzeug, da wir keine teuren Plätze und Hallen mieten müssen. Schön ist auch, dass wir bei durchschnittlich 20 Fahrzeugen gemeinsam in einem Hotel unterkommen. Dem Campingzeitalter sind wir inzwischen entwachsen und auch abends mögen wir nicht gerne in zugigen Festzelten sitzen. So wie ja auch der Kadett A bei seiner Markteinführung 1962 bei aller zweckmäßigen Einfachheit für den Aufstieg von den Rollern und primitiveren Kleinstfahrzeugen stand, mit Heizung und festem Dach über dem Kopf. Wir achten dabei auf bezahlbare Zimmerpreise: 73 € pro Doppelzimmer waren es im Hotel Tüxen in Rendsburg. Wo gibt es sonst so schöne Tage für so wenig Geld?

Das nächste Treffen

Vom 23. (Fronleichnam) bis 26. Juni 2011 treffen wir uns zum 15. Opel Kadett A-Treffen in Michelstadt im Odenwald. Anmeldeschluss war bereits der 31. Januar. Aber wer sich nur um teilnehmen zu können einen Kadett A kauft, dem wird es sicher auch gelingen, die Veranstalter Klaus-Dieter Lenz und Peter Stöhr zu einer Ausnahme zu überreden.